Witzwort vertellt
99: Vor 173 Jahren: Kleinanzeigen – fast wie heute
Anzeigen aus dem Husumer Wochenblatt 1852.
Hausverkauf.
Wegen Ortsveränderung bin ich gewilligt, meinen Kirchspielskrug hieselbst, der in gutem baulichen Stande ist und worin sich 5 heizbare Zimmer, alle mit neuen Oefen versehen, und 2 schöne gewölbte Keller befinden, nebst einem großen Garten von 3 Saat Landes, mit Kegelbahn, Kegelhaus und reichlich 4 Demat Land unter der Hand zu verkaufen. Kaufliebhaber werden gebeten, sich an mich Unterzeichneten zu wenden. Witzwort, den 12. Jan. 1852, Peter Thomsen.
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Theater in Witzwort.
Sonntag, den 23. Mai, wird im Lokale des Herrn P. Thomsen aufgeführt: Die Lichtensteiner. Dramatisches Gemälde aus den Zeiten des dreißigjährigen Krieges in 5 Acten, nebst einem Vorspiele: Der Christabend in 1 Act. Anfang präzise 7 Uhr. Die Familie Schulze
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Verkauf eines Kirchspielskruges.
Am Mittewochen, den 10. Novbr. d. J., Nachmittags 2 Uhr, werde ich mein an hiesiger Straße belegenes Wirthshaus (den Kirchspielskrug) zum abermaligen öffentlichen Verkauf aufbieten, und lade die respect. Liebhaber hiedurch ergebenst ein, sich zur bestimmten Zeit in dem gedachten Hause einzufinden. Witzwort, den 15. Octbr. 1852, P. Thomsen
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Aufforderung.
Alle, welche Forderungen und Ansprüche an die Nachlaßmasse des neulich verstorbenen hiesigen Schullehrers Honnens in Ingwershörn zu haben vermeinen, so wie ebenfalls diejenigen, welche demselben etwa Zahlungen zu leisten haben, werden hiermit aufgefordert, ihre desfalligen Angaben vor dem 7. Novbr. d. J. bei dem Unterzeichneten zu beschaffen. Witzwort, den 20. Octbr. 1852, Thomas Jensen c.m.
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Peter Thomsen war nur drei Jahre lang (von 1848–1851) Besitzer des Kirchspielskrugs. Die erste Verkaufsanzeige war wohl nicht von Erfolg gekrönt, weshalb er im Herbst 1852 eine weitere schaltete – und einen Käufer fand: Jacob Karrius. Er verkaufte 1854 an Johann Harder, der dann bis 1871 Krug betrieb. 1 Eiderstedter Demat = 1/2 Hektar, 1 Saat = 1/6 Demat.
Während der Verkaufsbemühungen lief der Betrieb im Kirchspielskrug weiter: So gastierte im Mai dort eine Theatergruppe, deren Kern offensichtlich aus einer Familie bestand. Sie führte ein Theaterstück nach dem gleichnamigen Roman von Carl Franz van der Velde auf – und ein jahreszeitlich nicht ganz passendes Vorspiel.
Thomas Jensen, 1816-1902, der die Aufforderung unterschrieben hat, wohnte Westerdeich 4. Der Zimmermann war früh berufsunfähig geworden. 50 Jahre lang notierte er alle besonderen Ereignisse in Witzwort und fertigte Bittschriften, Verträge und Testamente an. Auch als Testamentsvollstrecker war er aktiv, wie aus dieser Anzeige hervorgeht. Schullehrer Honnens stammte vermutlich aus der Familie des Ratmanns Asmus Lassen Honnens, vielleicht ein Bruder. Die Schulchronik der Ingwershörner Schule berichtet über ihn: „1848, d. 29. Februar: Zu der durch den Tod des Lehrers Claussen erledigten Ingwershörner Districtschullehrerstelle haben sich Competenten [Bewerber, aj] gemeldet (1 Schullehrer und 8 Seminaristen). Den 26. März wurde die Wahl, nachdem in der Kirche eine Probe im Singen und Katechisiren abgelegt, im Pastorate vorgenommen, und der Seminarist Honnens aus dem hiesigen Kirchspiel mit 4 Stimmen zum Lehrer gewählt. (...) 1851: Der Lehrer Honnens bekam Blutspeien.“ ... und starb 1852, sodass wieder ein neuer Lehrer gewählt werden musste.
Dem Archiv 2007 übergeben von Anke Hansen, die im Nissenhaus gearbeitet hat und dort alles Witzwort Betreffende kopiert hat. Danke dafür!

